Die Notwendigkeit, Brücken zu modernisieren, kann gleichzeitig eine Chance bieten, den Infrastrukturbau in Deutschland grundlegend zu wandeln. Denn wie im Gebäudesektor muss auch hier ein Wandel erfolgen, damit die Klimaschutzziele der Bundesregierung und der EU erreicht werden können. Eine wichtige Rolle spielt der Wandel von linearen hin zu zirkulären Prozessen.

Laut dem Bundesministerium für Verkehr befinden sich allein im Netz der Bundesfernstraßen aktuell über 39.000 Brücken bzw. über 50.000 Brücken-Teilbauwerke. Ihre Gesamtlänge beträgt mehr als 2.100 km, was etwa der Strecke von Flensburg bis Neapel entspricht. Viele ältere Brücken wurden im Zeitraum von 1965 bis 1985 gebaut. Insbesondere viele große Tal- und Flussbrücken stammen aus dieser Zeit. Um bestehende Brückenbauwerke an geänderte und gestiegene Anforderungen anzupassen, hat der Bund ein umfangreiches Modernisierungsprogramm aufgestellt.

In Analogie zum Circular Buildings Toolkit entwickelt Arup derzeit ein auf Brückenbauwerke zugeschnittenes Toolkit. Es liefert Strategien, die helfen, einen Systemwechsel hin zu mehr nachhaltigem und zirkulärem Bauen zu vollziehen. So unterstützt es Planende, Bauherren und Betreibende dabei, alle Lebenszyklusphasen einer Brücke zu betrachten. 

Mithilfe gezielter Fragen lassen sich fundierte Antworten ableiten. Auf diese Weise unterstützt das Toolkit wichtige Entscheidungsprozesse. Es bietet konkrete Handlungsempfehlungen für die Planung, Materialwahl, Konstruktion und den Betrieb von Brücken mit Fokus auf Langlebigkeit und Ressourceneffizienz.

Die zu Grunde liegenden Leitgedanken sind:

  • Nur bauen, was wirklich nötig ist: Das Toolkit unterstützt dabei, zu überprüfen, ob ein Neubau tatsächlich erforderlich ist oder ob bestehende Bauwerke erhalten, umgenutzt oder verstärkt werden können. Ziel ist es, unnötige Neubauten zu vermeiden und Ressourcen zu schonen.

  • Mit den richtigen Materialien bauen: Das Toolkit gibt Hinweise auf lokale, erneuerbare und CO₂-arme Materialien. Ziel ist es, den Einsatz neuer und emissionsintensiver Baustoffe zu vermeiden und die Wiederverwendung und das Recycling von Bauteilen zu fördern.

  • Effizient bauen und Abfall vermeiden: Intelligente Planung, modulare Bauweisen und Vorfertigungen können den Materialeinsatz optimieren. Das Toolkit zeigt konkrete Wege auf, wie sich Abfälle vermeiden und temporäre Bauteile wiederverwenden lassen.

  • Für langfristigen Wert und Wiederverwendung planen: Wir unterstützen Sie dabei, Brücken so zu entwickeln, dass sie langlebig, anpassungsfähig und leicht rückbaubar sind. Bereits in der Planung können eine spätere Umnutzung oder das Recycling der eingesetzten Materialien berücksichtigt werden.

Das Circular Bridges Toolkit war eines der Themen, die Julia Karasinska-Sochacki, Leiterin des Bereichs Infrastrukturplanung bei Arup Deutschland, im Podcast Tiefgründig vorgestellt hat.

Mit Gastgeberin Isabelle Armani sprach sie außerdem u.a. darüber, welche regulatorischen Lücken Innovationen verzögern und wie zukunftsorientierte Projekte sie überwinden.

Die ganze Podcast-Folge können Sie hier nachhören.

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Cycling and walking on a street in Britain